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Raum für Innovationen

Rund eintausend Arbeitsplätze sind mittlerweile auf der Marbachshöhe entstanden und etwa eintausendfünfhundert Menschen haben im jüngsten Bad Wilhelmshöher Quartier eine neue Heimat gefunden. Mit dem Umbau der Lüttichkaserne wird das Konzept Marbachshöhe nun eine konsequente Weiterentwicklung erfahren, wie der für die Stadt Kassel mit den Planungen betraute Städtebauer Carlo Frohnapfel im Redaktionsgespräch erläutert. „Wir machen jetzt den Sprung über die Eugen-Richter-Straße und entwickeln aus den Nutzungsanforderungen heraus ein hochwertiges Gewerbegebiet. Aus dem Technologie- und Gründerzentrum gibt es schon eine Reihe von Unternehmen, die Erweiterungsbedarf haben und die vorhandenen Standortvorteile nutzen möchten.“

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Positives Image

Das positive Image Bad Wilhelmshöhes und der Marbachshöhe tun laut Carlo Frohnapfel ein übriges, um den Standort attraktiv zu machen. „Wir haben mit der Marbachshöhe direkt neben den zukünftigen Technologiepark ein funktionierendes städtisches Quartier mit einer entsprechenden Nutzungsvielfalt. Alles, was ich im Technologiepark nicht ansiedeln kann, finde ich auf der anderen Seite - deshalb ist es eine so wunderbare Verbindung“, sagt der Planer zu den Vorzügen dieses Gebietes.

Entwicklung Lüttichkaserne zum Technologiepark Marbachshöhe...
...ist der Themenschwerpunkt der vorliegenden Ausgabe der StadtteilZeit. In den vergangenen Jahren immer wieder in der Diskussion: der Umbau der Lüttichkaserne zum Technologiepark. Im Mai 2004 kam die Bewilligung über 5,6 Millionen Euro für die Umwandlung durch den hessischen Wirtschaftsminister und am 16. Juli wurde der städtebauliche Vertrag zwischen Bund und Stadt besiegelt. Damit sind die finanziellen und rechtlichen Grundlagen für ein drittes ambitioniertes Konversionsprojekt in Kassel gelegt. Vermarktung und Umbau können beginnen. Über die Planungen und die Perspektiven des Standortes sprach die StadtteilZeit mit dem Städteplaner Carlo Frohnapfel, der für die Stadt Kassel mit den Planungen betraut ist und befragte Dr. Gerold Kreuter, den neuen Geschäftsführer des Technologie- und Gründerzentrums.


Interview mir Carlo Frohnapfel, Planungsamt der Stadt Kassel
SZM: Herr Frohnapfel auf der Marbachshöhe hat sich ein Quartier mit einer vielfältigen Nutzungsmischung über Wohnen, Bildung, Kinder- und Jugendeinrichtungen, Gesundheit, Kunst, Gewerbe und innovative Dienstleistungen entwickelt. Ist das auch im zukünftigen Technologiepark angedacht?
CF: Der Technologiepark Marbachshöhe wird, wie sich aus dem Namen schon erkennen lässt, eine gewerbliche Nutzung erfahren. Der Technologiepark ist letztendlich die konsequente Weiterentwicklung der Marbachshöhe. Auf der Marbachshöhe haben wir von Westen nach Osten gesehen zunächst eine reine Wohnnutzung, die dann in den gemischten Bereich übergeht mit z.B. der Schreinerei Prüfer oder dem Zirkus Rambazotti, bis sie schließlich an der Eugen-Richter-Straße mit dem Technologie- und Gründerzentrum, dem Lebensmitteleinzelhandel, OctaVIA etc. einen überwiegend gewerblichen Charakter hat. Wir machen jetzt den Sprung über die Eugen-Richter-Straße und entwickeln aus den Nutzungsanforderungen heraus ein hochwertiges Gewerbegebiet. Die Lüttich-Kaserne wäre aufgrund der Belastungen durch die Bahntrasse für Wohnen auch nicht so attraktiv. Aus dem Technologie- und Gründerzentrum heraus gibt es schon eine Reihe von Unternehmen, die Erweiterungsbedarf haben und die dort vorhandenen Standortvorteile aber weiterhin nutzen möchten.

Auf Qualität setzen
Bei der Besiedlung des Geländes wollen wir auf Qualität setzen und abwarten, dass sich die richtigen Unternehmen, die in dieses Technologiepark- Konzept passen, dort auch ansiedeln. Wir müssen die Lüttichkaserne auch nicht ganz schnell besiedeln, weil der ökonomische Druck bei der Finanzierung von den Erschließungsmaßnahmen zwar vorhanden ist, aber durch den mit dem Bund abgeschlossenen Städtebaulichen Vertrag abgefedert wird.
SZM: Was sind die richtigen Unternehmen?
CF: Es sind die innovativen Dienstleistungen und die Betriebe, die in der Hochtechnologie arbeiten. Beispielsweise wäre die Firma Rohloff, die jetzt nach Fuldatal geht, so ein typischer Betrieb gewesen, der ins Konzept gepasst hätte. Zeitweise war QVC als Callcenter im Gespräch. Auch Architektur- und Ingenieurbüros - Betriebe und Unternehmen, die zukunftsorientierte Arbeiten
erbringen. Wir legen Wert drauf, dass sich hochwertige Betriebe ansiedeln können.
Entsprechend haben wir die Festsetzungen im Bebauungsplan getroffen. Da schließen wir Nutzungen aus, die für das Image eines Technologieparkes, eines modernen und zukunftsorientieren Gewerbegebietes nicht förderlich wären. Zum Beispiel großflächige Einzelhandelsbetriebe, Lagerhäuser oder Lagerhaltung als Hauptnutzung. Tankstellen und Vergnügungsstätten ebenfalls.

Gespräche mit vielen Unternehmen
Das Bundesvermögensamt führt die Vermarktung der Flächen und Gebäude durch und steht zur Zeit in Gesprächen mit vielen Unternehmen. Sie kommen teilweise aus dem Technologie- und Gründerzentrum. Es sind aber auch noch einige andere Unternehmen dabei, die die Lage wegen der guten Anbindung zu schätzen wissen - egal ob über den ICE-Bahnhof oder die Autobahn. Wir haben zusätzlich eine gute Anbindung an die Innenstadt, und wir haben auch das Image von der Marbachshöhe, von Wilhelmshöhe insgesamt. Das finden die Interessenten von der Qualität her wirklich gut.
SZM: Laufen die Gespräche mit den Investoren parallel zu der Entwicklung, die von städtischer Seite geplant ist?
CF: Selbstverständlich finden diese Gespräche parallel zu unseren Planungen statt, wobei die Situation im Vergleich zur Marbachshöhe eine andere ist. Wir haben im Moment nicht so den Druck auf den Flächen, wie das Mitte der 90er Jahre war. Wir haben eine Nutzerkoordination und schauen: Was passt denn wohin? Wo kann sich ein Betrieb ansiedeln? Wo kriegt er seine
räumlichen Bedürfnisse befriedigt? Wo kann es zu Konfliktsituationen kommen?

Nutzerbedürnisse einbeziehen
SZM: Gab/gibt es Gespräche mit den Firmen im Technologie- und Gründerzentrum, um in Erfahrung zu bringen, was deren möglichen Nutzerbedürfnisse sind?
CF: Mit Herrn Schwabe, dem ehemaligen Geschäftsführer standen wir in engem Kontakt, mit Herrn Dr. Kreuter, seinem Nachfolger, haben wir einen Termin vereinbart. Angefangen von einer wirklich guten zukunftsweisenden technischen Ausstattung mit den erforderlichen Telekommunikationsleitungen bis hin zur hohen Flexibilität was Grundstückszuschnitte, aber auch Gebäudezuschnitte und Gebäudeteile angeht, reichen nach seiner Aussage, die Anforderungen. Nicht jeder, der aus dem Technologie- und Gründerzentrum umsiedelt, braucht ein Gebäude mit 2000 m2, sondern vielleicht eine Fläche in einem Gebäude von 300 bis 500 m2.
Da prüfen wir, ob wir für ein größeres Gebäude mehrere kleinere Nutzer zusammen bekommen, die das gemeinsam erwerben, bilden Teileigentum oder finden einen Investor der sagt: Ich kaufe das, baue um und vermiete, je nach den Bedürfnissen. Das sind alles Prozesse, die parallel zum Bebauungsplan und zum städtebaulichen Vertrag laufen. Herr Schedler vom Bundesvermögensamt steht ganz konkret mit mehreren Unternehmen, die jetzt noch im Technologie- und Gründerzentrum sind, in Verhandlungen. Die wollen in den Technologiepark.

Hervorragender Standort
SZM: Weil sie diese Lage schätzen oder inwiefern?
CF: Ich habe es eingangs schon begründet, der Standort ist super; leicht erreichbar, rundum mit allem was wir an Versorgung brauchen, das Image stimmt und die Fühlungsvorteile, die „Nestwärme“ sozusagen, bleiben erhalten.
Wir haben mit der Marbachshöhe direkt daneben ein funktionierendes städtisches Quartier mit einer entsprechenden Nutzungsvielfalt. Alles, was ich im Technologiepark selber nicht ansiedeln kann, finde ich auf der anderen Seite. Deshalb ist es so eine wunderbare Verbindung und, wie bereits gesagt, die konsequente Weiterentwicklung dessen, was oben in der
Hindenburg- und Wittichkaserne passiert ist.
SZM: Es sind schon/noch Nutzer/innen in der Lüttichkaserne. Die Bundeswehr selbst, Eppos La Cantina, das Grappa-Haus. Die Kunstwerkstatt hat Hallen angemietet und will eventuell in die Ausbildung von Jugendlichen gehen. Können die am Standort verbleiben, oder hängt das davon ab, ob die Liegenschaften anderweitig veräußert werden?
CF: Wir haben noch eurocopter als größten Nutzer nach der Bundeswehr auf dem Gelände. Grundsätzlich will der Bund die Liegenschaft verkaufen. Jetzt sind die Gebäude als Zwischennutzung vermietet bis organisatorisch alles geklärt ist. Mit Unterzeichnung des städtebaulichen Vertrages kann der Bund sofort verkaufen, und das will er auch tun. Bisher war die Sprachregelung so, dass die Nutzungen, die jetzt am Standort sind und in das Konzept passen, auch bleiben können. Ob sie sich vom Kaufpreis her einigen, muss man sehen. Das Bundesvermögensamt ist als Eigentümer und Vermarkter zuständig. Sie
schließen die Verträge ab, jedoch immer in Abstimmung mit der Stadt Kassel. Wir besprechen gemeinsam, ob die Nutzungsvorstellungen der Interessenten ins Konzept passen.
SZM: Auf der Marbachshöhe wurden sozialen Initiativen und Projekten vom Bund günstigere Konditionen eingeräumt. Gibt auch für den Technologiepark solche Überlegungen?
CF: Beim Konzept Technologiepark würde eine solche Regelung nicht greifen. Wir hatten schon Anfragen von sozialen Trägern, Pflegeheime beispielsweise haben sich interessiert. Wir haben einen anderen Schwerpunkt und auch die Konzeption der Stadt Kassel hinsichtlich Pflegeeinrichtungen ist eine andere. Da haben wir gesagt: Das passt nicht. Wir wollen uns auf den gewerblichen Bereich konzentrieren und nicht auf den sozialen. Grundsätzlich müssen wir immer die Frage stellen: Passt das
wirklich in das Technologiepark-Konzept? Vor allem vor dem Hintergrund der Ziel 2-Förderung, denn die legt uns relativ enge Fesseln an. Gewerbliche Nutzungen sind für die Ziel 2-Förderung Voraussetzung. Erschließungen für soziale und kulturelle Nutzungen werden nicht gefördert.

Nutzungsmischung so breit wie möglich
SZM: Auf der Marbachshöhe gibt es tatsächlich Verbindungen zwischen unterschiedlichen Gewerbetreibenden, sozialen und künstlerischen Initiativen. Wäre es in diesem Bereich nicht auch eine Chance, sich die viel gerühmten Synergieeffekte zu nutze zu machen?
CF: Da stimme ich Ihnen zu. Wir schauen natürlich, dass die Mischung so breit wie nur möglich wird. Wenn das beispielsweise mit der Kunstwerkstatt funktionieren sollte, wäre das für das Gebiet sehr gut - keine Frage. Auch was die Erfüllung des
städtebaulichen Vertrages von Bundesseite angeht, denn der ehemalige Bahnanschluss ist nicht leicht zu vermarkten, dafür wäre die Kunstwerkstatt ein schöner Nutzer.
SZM: Die Kunstwerkstatt hat mit dem Kulturzug für 2010 einen Vorschlag für die Kulturhauptstadtbewerbung gemacht, weshalb sie den Gleisanschluss gesucht haben. Darüberhinaus gibt es langfristig gesehen Ideen in Richtung Ausbildung in
Zusammenarbeit mit den Gewerbetreibenden.
CF: Ob Gespräche stattgefunden haben, ist mir nicht bekannt, aber man könnte sie initiieren, vielleicht auch eine Kooperation mit dem Hessencourrier, der ja einen Steinwurf weit entfernt ist. Wir haben eurocopter, die Flugzeugmechaniker und –elektroniker ausbilden, bereits in der Kaserne. Bisher waren sie in Calden. Seit einem guten Jahr hat die Firma ein Gebäude
belegt und mietet jetzt noch ein zweites an. Vorgesehen ist, dass sie im nächsten Jahr kaufen. Vielleicht gibt es auch da Kooperationsmöglichkeiten.
Da haben wir alle Möglichkeiten und wir werden nicht im negativen Sinn entscheiden, sondern im Gegenteil: Wenn es Kooperationsmöglichkeiten gibt, dann sollen sie genutzt werden. Der Technologiepark wird von seinem Anspruch her nicht „im eigenen Saft schmoren“, er will und muss eine überregionale Wirkung und Ausstrahlung entfalten und das geht nur mit Kooperation undQualität.

Neuer Anschuss an Eugen-Richter-Straße
SZM: Stichwort Eugen-Richter-Straße. Es gibt im Moment zwei Punkte, wo man auf das Gelände kommt. Wird es weitere geben?
CF: Es wird noch einen dritten Anschlusspunkt geben, näher zur Druseltalstraße hin. Hinter dem ehemaligen Agfa-Gebäude ist der große Parkplatz, und um diesen erschließen zu können, wird es eine weitere Anbindung an die Eugen-Richter-Straße geben. Wir haben dann eine Art Klammer. Man kann bei der neuen Erschließung hineinfahren, dann durch das ganze Quartier und kommt bei der ehemaligen Hauptwache wieder heraus. Diese Klammer wird natürlich durch einen dritten Anschluss und durch weitere Straßen ergänzt. Das mussten wir auch machen, um die Grundstückszuschnitte marktfähig zu bekommen. Im Unternehmenspark Niederzwehren, der ehemaligen Graf-Haeseler-Kaserne haben wir die Erfahrung gemacht, dass die angedachte Parzellierung zu groß war. Dort ist das Erschließungssystem auf große Grundstücke zugeschnitten und damit relativ sparsam ausgelegt worden. In den letzten Jahren hat man gesehen, dass Grundstücke dieser Größe fast nicht nachgefragt werden, sondern eher kleinere Grundstücke. Diese Erkenntnisse haben wir in das Erschließungssystem einfließen lassen,
so dass wir auf kleinere Grundstückszuschnitte kommen, die natürlich auch wieder zu größeren zusammengelegt werden können.

Wenige Neubauten
SZM: Wird es auch Neubauten geben?
CF: Es wird relativ wenig Neubauten geben. Die vorhandenen Gebäude sind in einem sehr guten Zustand und warum soll man etwas abreißen, wenn man es – und das sieht man auf der Marbachshöhe - für alle möglichen Zwecke gut umnutzen kann. Hier sind wir auf das Gewerbliche beschränkt. Da sind die Umbaumöglichkeiten noch leichter. Neubaumöglichkeiten gibt es insbesondere im Randbereich zur Bahntrasse hin. Angefangen von dem bereits erwähnten Parkplatz, zieht sich der Neubaubereich zur Bahn hin und an der Bahn entlang. Die Neubauflächen sind nicht üppig. Wir haben ausgereizt was Neubauflächen und Bestandserhaltung angeht.
SZM: Gibt es schon Interessenten die neu bauen wollen?
CF: Wir haben einen Interessenten für dieses Filet-Stück, wie es immer genannt wurde – für den Parkplatz. Da werden noch Verhandlungen mit dem möglichen Nutzer geführt. Der Investor sagt, er stehe in entsprechenden Verhandlungen, und er hat auch ein Angebot beim Bundesvermögensamt abgegeben. Ansonsten ist es eher ruhig beim Neubau.
SZM: Die Bundeswehr wird mit Teilen bleiben? Wie verhält es sich mit dem Bundessozialgericht?
CF: Einen Teil der Flächen wird die Bundeswehr erst einmal weiter nutzen. Wir sind für alle Möglichkeiten gerüstet was die Bundeswehr angeht. Man kann sich bei der Gebietsentwicklung nicht darauf einschießen, dass die Bundeswehr ewig bleibt oder schnell den Standort verlassen muss. Wer weiß, was passiert, wenn die nächste Strukturreform bei der Bundeswehr ansteht? Das wissen wir alles nicht.
Stichwort Bundessozialgericht: Ursprünglich wollte das Bundessozialgericht fünf Gebäude beziehen, schon 2003. Eine endgültige Entscheidung sollte im Juni dieses Jahres fallen, wir haben aber noch nichts Offizielles gehört. In der Zwischenzeit ist klar geworden, dass nicht mehr fünf Gebäude vom Bundessozialgericht genutzt werden sollen. Sie benötigen nach unserem
Kenntnisstand drei Gebäude. Wann das Bundessozialgericht kommt, ob es überhaupt kommt, wie lange es bleiben wird, das kann ich im Moment nicht sagen. Wir haben die Gebäude bei den zu vermarktenden Grundstücken mit einbezogen, auch wenn sie erst später verkauft werden können . Sie sind in die Erschließung mit einbezogen; so als ob sie jetzt auf dem Markt geworfen werden können.

Städtebaulicher Vertrag
SZM: Hat die Stadt erst nach Abschluss des Städtebaulichen Vertrages Planungsrecht?
CF: Das Planungsrecht hängt nicht mit dem Städtebaulichen Vertrag zusammen. Wir brauchen den Bebauungsplan um das Gebiet entwickeln zu können, um bauen zu können, um den Investoren eine Sicherheit zu geben. Schon vor zwei Jahren
wurde der Bebauungsplan erarbeitet. In dem städtebaulichen Vertrag wird geregelt, wie die finanziellen Verhältnisse sind und wie die Erschließung finanziert wird. Es werden Fragen zu Ordnungsmaßnahmen geregelt: welche Gebäude sollen abgerissen werden, welche Flächen müssen entsiegelt werden? Straßen, Kanal, die neuen Leitungen, die gebraucht werden, Fernwärme, Strom, Wasser, die Telekommunikationsleitungen. All das wird vertraglich geregelt.
Zusätzlich wird anhand einer stadtwirtschaftlichen Kalkulation überprüft, ob unser Finanzierungsmodell funktioniert. Das Finanzierungsmodell ist identisch mit dem auf der Marbachshöhe: alle für die Erschließung erforderlichen Maßnahmen werden vom Bund aus seinen Grundstücksverkäufen und aus den Ziel-2-Fördermitteln finanziert Es ist eine Obergrenze definiert, was an Geld in die Maßnahmen hineinfließen kann. Was darüber hinausgeht, muss neu verhandelt werden.

Manpower und Know-how von der Stadt
SZM: Was muss die Stadt für die Entwicklung des Gebietes an Ressourcen einbringen?
CF: Die Stadt bringt bei diesem Projekt hauptsächlich Manpower und Know-how ein. Die Finanzierung ist gesplittet. 50% über den Bund durch die Grundstücksverkäufe und 50% über die Ziel 2-Mittel. Der Unterschied zum Finanzierungsmodell Marbachshöhe ist, dass wir die Entwicklung über 4 Jahre hin in unserem städtischen Haushalt bzw. in der
mittelfristigen Finanzplanung abgebildet haben. Auf der Marbachshöhe war das so, dass es bei der Wohnstadt ein Treuhandkonto gab, über das die Mittelverwendung abgewickelt wurde.
Bei der Lüttich-Kaserne haben wir die Mittel im Haushalt stehen. Das bedeutet, wir können unabhängig von Grundstücksverkäufen mit dem Bau und den Erschließungsmaßnahmen beginnen. Von daher gibt es bei uns über diese Art
der finanziellen Abwicklung sozusagen eine Vorfinanzierung. Wir müssen das Geld bei der Bank aufnehmen und Zinsen zahlen. Das ist unser Finanzierungsanteil, der mit einfließt.

Vertauensvolle Zusammenarbeit
SZM: Wäre es für das Bundesvermögensamt nicht viel einfacher zu sagen: Es ist uns egal, was da passiert. Wir verkaufen das ganze Gebiet meistbietend.
CF: Das wäre für das Bundesvermögensamt wahrscheinlich der einfachste Weg. Es fehlt jedoch komplett die öffentliche Erschließung, was bedeutet, dass ein Investor die Erschließung bauen müsste, die Stadt Kassel würde es nicht machen. Der Kaufpreis müsste dann entsprechend niedriger sein. Was jetzt mit viel Arbeit aus dem Gebiet an Erlösen erzielt werden kann, ist
sicherlich mehr. Von der Arbeit her wäre es deutlich einfacher, als mit einer doch relativ schwierigen Prozedur über Jahre hin das Gebiet zu entwickeln, die Grundstücke zu verkaufen, Verhandlungen zu führen, sich immer wieder mit der Stadt abzustimmen und sich Gedanken zu machen.
SZM: Demnach hat auch das Bundesvermögensamt Interesse an einer qualitätvollen Entwicklung?
CF: Das Bundesvermögensamt hat – und das kann man in Kassel ganz wunderbar an den unterschiedlichen Kasernenstandorten sehen – ein sehr hohes Interesse, dass sich da auch etwas wirklich Qualitätvolles entwickelt. Es gibt genügend andere Beispiele von Kasernen, wo solche aufwendigen Prozesse nicht durchgeführt wurden. Die stehen heute größtenteils leer bzw. sind dann irgendwann vom Bund wieder eingezäunt worden, damit nicht alles kaputt gemacht wird.
Ich denke, der aufwendige, der schwierige Weg, der auch relativ lange dauert, lohnt sich im Endeffekt. Nicht umsonst schauen viele neidisch nach Kassel auf die Marbachshöhe und in Zukunft auch auf den Technologiepark.
Wenn man sich den Unternehmenspark Niederzwehren anschaut, die ehemalige Graf-Haeseler-Kaserne: auch dort entwickelt sich ein sehr „spannendes“ Gewerbegebiet mit einer ganz interessanten Mischung von traditionellem Gewerbe über kirchliche und kulturelle Einrichtungen und möglicherweise sogar Wohnen in Randbereichen Das ist in der Öffentlichkeit nicht so stark wahrgenommen worden, aber nach und nach werden die Flächen dort vermarktet. Seit die Konversion in Kassel ein Thema ist, wurde beim Bundesvermögensamt ein Entwicklungsprozess in Gang gesetzt der in den letzten 10 Jahren zu ganz neuen Kooperationsformen und zu einer hohen Wertschätzung zwischen den handelnden Personen geführt hat.
Nur durch die Kooperation und die wirklich vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Bundesvermögensamt funktionieren solche Prozesse überhaupt.

Hoher Zeitdruck
SZM: Die Marbachshöhe hat sich über einen relativ kurzen Zeitraum entwickelt. Gibt es so einen Zeithorizont, den Sie für die Lüttichkaserne sehen?
CF: Grundsätzlich gibt es einen Erfahrungswert, den man bundesweit in solchen Konversionsprojekten wie der Marbachshöhe oder der Lüttichkaserne gemacht hat: es braucht im Schnitt vom ersten Gedanken bis zum ersten Spatenstich etwa zehn Jahre. Manche dauern länger und andere gehen viel schneller, wie die Marbachshöhe zum Beispiel. Das hängt auch immer von dem Verwertungsdruck ab, der da ist. An der Lüttichkaserne sind wir jetzt seit 1996. Ab da haben wir mit der Masterplanung angefangen, ähnlich wie das Urban Keller von der WohnStadt in Ihrer letzten Ausgabe für die Marbachshöhe erläutert hat: immer auch im Zusammenspiel mit Nutzern und deren Bedürfnissen. Von da her liegen wir zeitlich ganz gut, auch wenn ich mir gewünscht hätte, wie viele andere auch, dass es etwas schneller gegangen wäre. Wir werden im Frühjahr mit den Erschließungs- und Ordnungsmaßnahmen anfangen. Unser Ingenieurbüro, das die technische Planung für die Straße, den Kanal und die Leitungsverlegungen macht, ist jetzt dabei, die Ausführungsplanung zu erarbeiten, dann kommt die Ausschreibung und im Frühjahr wird mit den Abbrucharbeiten für bestimmte Gebäude bzw. die Entsiegelung von Beton- und
Asphaltflächen begonnen. Wir müssen – das hängt auch wieder mit der Ziel 2-Förderung zusammen, denn die läuft 2006 aus – die Erschließungsmaßnahmen bis Ende 2006 auch durchgeführt haben. Wir stehen unter einem enorm hohen Zeitdruck. Das funktioniert nur, wenn alle Rädchen ganz sauber ineinander greifen. Es wird bei der Erschließung nicht wie üblich sein, dass man in einer Ecke anfängt und sich dann langsam durchgräbt, sondern wir werden an mehreren Ecken gleichzeitig beginnen und aufeinander zuarbeiten.

Projektsteuerung durch WohnStadt
SZM: Wie wird die Projektsteuerung laufen?
CF: Das Projektmanagement liegt bei der Stadt, wir werden aber auch einen Auftrag für die Vor-Ort-Projektsteuerung vergeben. Wir stehen da in Verhandlungen mit der WohnStadt, für die es zwei Hauptargumente gibt. Die Wohnstadt hat das Know-how und die Erfahrung von der Marbachshöhe, wo es wirklich klasse funktioniert hat. Und die Wohnstadt hat die Masterplanung
und den Bebauungsplan für die Lüttichkaserne erarbeitet. Das heisst, sie stecken inhaltlich in der Entwicklung des Gebietes. Dazu kommt, dass die WohnStadt die personelle Kontinuität garantiert. Jens Herzbruch hat die Masterplanung und den Bebauungsplan gemacht und wird jetzt die Projektsteuerung übernehmen. Urban Keller, der die Projektsteuerung auf der
Marbachshöhe führte, wird bei Bedarf noch im Hintergrund mitarbeiten und unterstützen.
Wir können damit lückenlos die vorhandenen Arbeiten aufgreifen und so auchauf das vorhandene Know-how zurückgreifen.

SZM: Herr Frohnapfel, wir bedanken und für dieses Gespräch und wünschen dem Projekt viel Erfolg.


Nachfrage beim Geschäftsführer des FiDT - Technologie und Gründerzentrum
Im Gespräch mit Carlo Frohnapfel fiel bereits mehrfach das Stichwort „Technologie und Gründerzentrum“ und das Interesse von dort beheimateten Firmen in den zukünftigen Technologiepark umzuziehen. Die StadtteilZeit fragte beim Geschäftsführer der Fördergesellschaft für innovative Dienstleistungen und Techniken mbH (FiDT), Dr. Gerold Kreuter, nach, was Potenziele und Nutzer/innenbedürfnisse der im FiDt angesiedelten Firmen angeht.
SZM: Herr Dr. Kreuter, welches Potenzial sehen Sie für die im Technologie- und Gründerzentrum angesiedelten Firmen im zukünftigen Technologiepark Marbachshöhe und darüber hinaus?
GK: Einige unserer Mieter warten bereits sehnsüchtig auf die Verwirklichung des Technologieparks. Sie sind mittlerweile zu einer Größe gewachsen, für die ein Technologie- und Gründerzentrum nicht mehr vorgesehen ist. Auch stellen wir leider nicht die infrastrukturellen Voraussetzungen zur Verfügung, die man sich für ein weiteres Wachstum von Seiten der Firmen wünscht. Das Potential ist gegeben. Es ist auch dringend nötig, im Technologiepark durch Ergänzung geeigneter Büro- und Werkstattflächen den Raum zu schaffen, dass die Unternehmen, die hier im Technologie- und Gründerzentrum Kassel erwachsen geworden sind, nachhaltig wachsen können.

Vorhandene Netzwerke
SZM: Warum möchten die Firmen am Standort bleiben?
GK: Grund für den Wunsch nach Verbleib auf der Marbachshöhe ist das vorhandene Netzwerk. Wie unsere letzte Mieterumfrage ergeben hat, hat jede Firma sechs Geschäftskontakte zu anderen Mietern im FiDT-Technologie- und Gründerzentrum. Diese Kontakte sind wirtschaftlich notwendig, um am Markt zu bestehen und betreffen den Bereich der Kooperationen, der gemeinsamen Projektarbeiten oder ganz einfach nur des gemeinsamen Einkaufs.

SZM: Welchen Nutzungsbedarf melden die bei Ihnen beheimateten Firmen an? Werkstätten? Labors? Büros?
GK: Die Nutzungen, die unsere Firmen brauchen, müssen sehr flexibel sein. Primär sind dieses für die IT-Firmen natürlich Büros mit einer vernünftigen Infrastruktur. Wobei jene Flexibilität natürlich die Bürogröße umfaßt. Werkstätten – im herkömmlichen Sinne – sind hier eher nicht nötig, wohl aber genügend Lagerflächen, die auch gewisse Voraussetzungen hinsichtlich der
Klimatisierung erfüllen müssen. Andere Firmen brauchen händeringend Technikumsräume, in denen sie auch mit großen und teilweise schweren Geräten umgehen können, so dass diese Werkstätten auch mit einer Grundausstattung sowohl EDV-technisch als auch beispielsweise mit Druckluftversorgung versehen sein müssen. Der Wunsch nach Labors ist noch nicht an mich herangetragen worden, es ist aber sehr gut möglich, dass man Werkstattflächen so gestalten kann, dass man mit relativ
geringen Möglichkeiten einfache Labors einbaut. Den Bedarf nach Reinräumen z.B. sehe ich in Kassel bereits durch die Investitionen im CinSat in der Heinrich-Plett-Straße weitgehend abgedeckt.

Synergieeffekte durch Vernetzung
SZM: Was brauchen Ihre Firmen an Verbindung/Vernetzung über die Eugen-Richter-Straße?
GK: Wie ich schon oben ausgeführt habe, sind die Geschäftsbeziehungen und Verknüpfungen der Firmen im FiDT Technologie- und Gründerzentrum extrem eng. Diese Kontakte sollen und dürfen nicht abreißen, denn nur so entstehen gemeinsame Synergieeffekte, die für beide Unternehmen Vorteile bringen. Sehr wohl sind auch viele Unternehmen daran interessiert, einfach die Infrastruktur, die im Gründerzentrum aufgebaut wurde, weiter mit zu nutzen, gemeinsames Sekretariat, gemeinsame Postverteilung, Frankiermaschine oder auch nur die Möglichkeit, das Telefon auf jemanden umzuschalten, der, wenn
der Kunde anruft, rangeht und den Anruf unternehmensbezogen entgegennimmt. Ganz wichtig ist auch meiner Meinung nach, dass der Technologiepark über die Eugen-Richter-Straße an das ganz eigene Mikroklima der Marbachshöhe angebunden wird, denn man trifft sich hier einfach und redet miteinander.
SZM: Herr Dr. Kreuter, vielen Dank für Ihre Ausführungen.


Hintergrund Ziel 2-Förderung
EU-Regionalhilfen stellen einen wichtigen Beitrag dar, um in den strukturschwächeren Landesteilen den Innovationsprozess zu beschleunigen und der Wirtschaft günstige Standortbedingungen zu verschaffen. Rund 90 Millionen Euro fließen jährlich aus den verschiedenen Europäischen Strukturfonds nach Hessen. Mit der Förderung verfolgt die EU verschiedene Ziele.
Rund 26 Millionen Euro davon stammen aus dem Europäischen Fonds für die regionale Entwicklung (EFRE) und dienen der Unterstützung von Regionen mit strukturellem Anpassungsbedarf (Ziel 2). Die aktuelle Programmperiode läuft von 2000 bis 2006. Die Verwaltung der EU-Strukturfondsprogramme ist dezentralisiert: Die Länder stellen Mehrjahresprogramme auf. Nach deren Genehmigung durch die EU-Kommission erhalten sie die Fördermittel zur eigenverantwortlichen Bewirtschaftung.
Insgesamt stellt die EU für die Ziel-2-Gebiete in der aktuellen Programmperiode 22 Mrd. Euro zur Verfügung. Auf Deutschland entfallen davon 3,5 Mrd. Insgesamt sind in Deutschland Gebiete mit 10 Mio. Einwohnern für das Ziel 2 anerkannt worden, davon im strukturstarken Hessen Gebiete mit zusammen etwa 607.000 Einwohnern. Für die Entscheidung über die zu fördernden Einzelprojekte ist in der laufenden Programmperoide das hessische Wirtschaftsministerium allein zuständig.

Beispiele aus der Region
Beispiele für erfolgreiche Projekte in Hessen, die aus Fördermitteln des Europäischen Regionalfonds (EFRE) in der alten Förderperiode 1994-1999 oder in der aktuellen Förderperiode 2000-2006 kofinanziert wurden, sind: Technologie- und Gründerzentrum (Kassel), Gründerzentrum (Bad Wildungen), Zentrum für umweltgerechtes Bauen (ZUB) (Kassel), Interkommunaler Logistik-und Gewerbepark (Breuna/Wolfhagen), Interkommunales Gewerbegebiet Mittleres Fuldatal (Felsberg, Malsfeld, Melsungen, Morschen und Spangenberg), Regionales Internetportal kassel.de, Berufsakademie Nordhessen GmbH (Bad Wildungen), Holzfachschule (Bad Wildungen), Gründungswettbewerb promotion Nordhessen, Mathematikum (Gießen),
Segelflugmuseum auf der Wasserkuppe, Heilbad Reinhardshausen, Werrataltherme (Bad Sooden-Allendorf), Kurpark Bad Emstal, Freizeitanlage Werratalsee

Keine Stadtentwicklung in Kassel ohne EU-Mittel
Die Stadt bekommt für die Erschließungsmaßnahmen in der Lüttichkaserne EUR 5.591.500.- EU-Mittel. Ohne diese Förderung wäre die Umwandlung zum Technologiepark nicht möglich. Die Fördermittel fließen für Erschließungsanteile, die gewerbliche Nutzungen erfahren; Erschließungsanteile für Wohnnutzungen oder soziale und kulturelle Nuzungen sidn nicht förderfähig, wobei Ziel 2 generell nicht eine Nutzungsmischung am Standort verhindert. Fördermittel für Erschließungsanteile, die nicht förderfähig sind, müssten in diesem Fall allerdings zurückgezahlt werden.